Da hat mir ein Kunde diesen Bericht aus der „Hotel Revue“ weitergeleitet. Ist zwar schon Anfang Jahr erschienen, der Gehalt der Aussagen hat sich aber seither nicht verflüchtigt.
Es bleibt einem jedes Mal wieder die Spucke weg, wenn man liest, mit welcher Unbekümmertheit Karlen unbedarften Interviewern mitten ins Gesicht schwadroniert und selbst einfachst zu widerlegende Unwahrheiten mit einer Selbstverständlichkeit vorträgt, die einem die Sprache verschlagen.
Diesmal war es eine gewisse Claudia Diemar, die Karlen’s Wolldecken-Saga lauschen durfte. Sie war wohl so hingerissen von dessen Rhetorik, dass sich für sie alle weitergehenden Recherchen erübrigten.
Den ganzen Bericht habe ich hier angefügt: Hotel Revue. Auf all die haarsträubenden Klitterungen möchte ich gar nicht eingehen. Auch dass meine Person mit keiner Silbe erwähnt wird, überrascht mich längst nicht mehr. Ich gehe lediglich mal auf zwei Punkte nachfolgend etwas detaillierter ein:
- In diesem Bericht war es wieder mal jene Mähr, dass Hans Jörg Karlen eine Wolldecke im Auto gefunden habe und plötzlich die Idee hatte, Wolldeckentaschen zu machen…….
….dass er die fixfertige Kollektion mit etwa 40 von mir zwischen 1998 und 2003 entworfenen und in Serienproduktion gebrachten Modellen 2004 per schriftlichem Kaufvertrag von mir erworben hat: Vergessen! Verdrängt? Amnesie? Oder dann meint Karlen, mit dem Kauf sei er automatisch auch der Designer und Ideegeber der Kollektion geworden. Wer weiss….
- Weiter unten im Bericht erklärt Karlen, die Kollektion mit dem roten Stern habe „er“ in Anlehnung an das Walliserwappen entworfen…..
Das ist mal ganz was Neues. Muss man aber auch erst mal drauf kommen!
Die Wahrheit ist: Die Kollektion „Roter Stern“ habe ich als Parallel-Kollektion zu den Schweizerkreuz-Taschen gemacht, weil mir das Thema Army Recycling und Revolution passend schien und damals gerade wieder mal ein Che Guevara – Hype angesagt war. Aber vor allem war damals ja noch nicht absehbar, ob meine Idee mit dem Schweizerkreuz überhaupt einschlagen würde. Denn „Swissness“ gab es 1998 nämlich noch nicht. Deshalb machte ich zur Absicherung diese zweite Variante mit denselben Modellen. Das Schweizerkreuz reussierte, und der Revolutons-Stern floppte. Dies ist auch der Grund, weshalb die Sterne, wie Karlen treuherzig berteuert, alle von Hand ausgeschnitten werden; ich verzichtete nämlich auf die Anfertigung von Stanzmessern angesichts der kleinen Produktionsmengen.
Meine Echauffiertheit mag manchem übertrieben erscheinen. Es ist aber halt schon so, dass es mich immer noch sehr umtreibt, wenn einer, der zudem noch mit keinerlei gestalterischem Talent belastet ist, daherkommt und eine meiner erfolgreichsten Design-Arbeiten einfach als seine Idee und Arbeit proklamiert. Ganz besonders, wenn dieser in den fünf Jahren, in denen ich all diese Wolldeckentaschen entworfen und in der Sattlerei in Törbel zur Serien-Produktion gebracht habe, kaum eine einzige Wolldecke auch nur in zwei Teile geschnitten hat, geschweige denn an der Ideegebung, Entwicklung oder dem Design in irgendeiner Weise mitgewirkt hat.
Bisher habe ich cirka 6 verschiedene Versionen von Karlen gelesen, wie ihm die Erleuchtung mit der Wolldecken-Idee gekommen sei. Wenn ich mal Lust habe, werde ich sie alle mit Quellenangabe auflisten.